Arbeitszeugnis verstehen: Diese 10 Formulierungen bedeuten etwas ganz anderes
Ein Arbeitszeugnis muss wohlwollend klingen – deshalb werden echte Bewertungen verschlüsselt. Wer die Geheimcodes nicht kennt, liest an der eigentlichen Aussage komplett vorbei. Hier ist das wichtigste Wörterbuch.
- „stets zur vollsten Zufriedenheit" → sehr gut, Note 1
- „stets zur vollen Zufriedenheit" → gut, Note 2
- „zur vollen Zufriedenheit" → befriedigend, Note 3 (das Wort stets fehlt)
- „zur Zufriedenheit" → ausreichend, Note 4
- „im Großen und Ganzen zur Zufriedenheit" → mangelhaft, Note 5
- „hat sich stets bemüht" → ungenügend, Note 6: war bemüht, hat es aber nicht geschafft
- „zeigte Verständnis für die Arbeit" → hat die Aufgaben verstanden, aber nicht erledigt
- „im Rahmen seiner Fähigkeiten" → im Rahmen seiner begrenzten Fähigkeiten
- „trug durch seine Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas bei" → Hinweis auf übermäßiges Reden oder Alkoholprobleme
- „war stets pünktlich" als einziges Lob → es gibt nichts anderes Positives zu sagen
Nicht nur die Worte – auch das Schweigen zählt
Fehlen Dank, Bedauern über das Ausscheiden und gute Wünsche für die Zukunft, ist das für Personalverantwortliche ein eigenständiges Warnsignal. Genauso auffällig ist eine falsche Reihenfolge in der Verhaltensbeurteilung: Vorgesetzte müssen vor Kolleginnen und Kollegen genannt werden – steht es anders, ist das kein Versehen.
Warum das wichtig ist
Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die Bewerbungen sichten, kennen diese Codes in der Regel sehr gut. Wer sein eigenes Zeugnis nicht entschlüsseln kann, weiß nicht, wie es auf potenzielle neue Arbeitgeber wirkt – und kann auch keine Korrektur verlangen, wenn die Formulierungen schlechter sind als die tatsächliche Leistung.
Ein Arbeitszeugnis ist ein rechtliches Dokument. Beschäftigte haben Anspruch auf ein wohlwollendes und wahrheitsgemäßes Zeugnis. Bei eindeutig negativen Geheimcodes kann eine Korrektur eingefordert werden.
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